Antenne MV Zu spät
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Zu spät kommen: Spannende Fakten & Hintergründe

Pünktlichkeit ist eine Tugend - bis zu welchem Grat ist Unpünktlichkeit also akzeptabel? Und was kann man dagegen tun?

“Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben” - oder die Familie, die Freunde oder im schlimmsten Fall der Arbeitgeber. Zu spät kommen kann natürlich jeder Mal - dafür gibt es viele gute Gründe. Aber wie sieht es mit den notorischen Zuspätkommern aus? Was kann man als solcher dagegen tun? Und was blüht einem, wenn man im Job zu oft zu spät kommt? Wir versuchen all diesen Fragen einmal auf den Grund zu gehen.

Deutsche (Un-)Pünktlichkeit in Zahlen

Deutschland gehört wohl zu den Ländern, in denen Pünktlichkeit zu den wichtigsten Tugenden gehört. Pünktlichkeit ist quasi typisch deutsch. Das bestätigt auch eine Umfrage der “Apotheken Umschau”, die zu folgenden Ergebnissen gekommen ist:

  • 84,4 Prozent der Deutschen nehmen Termine oder Verabredungen sehr ernst & erwarten das auch von ihren Mitmenschen

  • 63,4 Prozent halten sich bei privaten Treffen an die vereinbarte Zeit und kommen pünktlich

  • 23,7 Prozent erscheinen sogar zu früh, um einer Verspätung auf jeden Fall direkt vorzubeugen

  • 92,4 Prozent der Befragten finden, dass man Kinder möglichst früh zur Pünktlichkeit erziehen soll

  • 92,8 Prozent haben kein Problem mit einem Zuspätkommen, wenn man vorher bescheid gibt

  • 75,4 Prozent finden es nicht schlimm, wenn jemand ab und zu zu spät kommt

  • 73,5 Prozent finden das “akademische Viertel” bei privaten Verabredungen vollkommen hinnehmbar

  • 44,6 Prozent finden es schrecklich, wenn Menschen zu sehr auf Pünktlichkeit bestehen

Klingt doch eigentlich ganz locker, oder? Allerdings gelten diese Empfindungen in der Regel nicht für den Arbeitsplatz:

Zuspätkommer am Arbeitsplatz - wann wird’s gefährlich?

Natürlich wird nicht jeder Chef gleich eine Abmahnung erteilen, wenn man einmal ausnahmsweise 5 Minuten zu spät kommt. Häufen sich diese kleinen Verspätungen allerdings, kann man durchaus mit einer Abmahnung rechnen. Übrigens zählen “Ausreden” wie “mein Auto ist nicht angesprungen”, “ich stand im Stau” oder “der Schneesturm war zu schlimm” nicht immer. Denn der Arbeitnehmer muss in jedem Fall dafür sorgen, dass er wie auch immer trotzdem pünktlich zur Arbeit kommt. Lediglich bei unvorhersehbaren Ereignissen wie einem Unfall, einem überraschenden Wintereinbruch oder einem unangekündigten Streik ist das Zuspätkommen auch im Berufsleben akzeptabel bzw. vom Chef nicht abmahnbar.

Was genau passieren muss oder kann, wenn man auf der Arbeit zu spät kommt, erklärt Franziska Bergfeld von Dr. Granzin Anwälte in Schwerin.
 

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Warum kommen Menschen überhaupt zu spät?

Dem Phänomen der Unpünktlichkeit haben sich schon einige Wissenschaftler angenommen - mit den unterschiedlichsten Ergebnissen. Zu den bekanntesten Untersuchungen zählen die von Jeffrey M. Conte aus den USA. Conte fand heraus, dass sich Zuspätkommer immer unter einem bestimmten Typ Persönlichkeit finden - und diese lässt sich ja nur schwer ändern. 

Die Zuspätkommer finden man nämlich unter denen, die so entspannt sind, dass sich für sie eine Minute anfühlt wie 77 Sekunden. Während die andere Gruppe, die pünktlich und zielorientiert zu ihren Eigenschaften zählt, eine Minute nach 58 Sekunden für beendet erklärte. Heißt: Zuspätkommer haben ein vollkommen anderes Zeitgefühl. Demzufolge teilen sie sich Wege oder Aufgaben auch vollkommen anders ein, was mitunter eben zu Verspätungen oder zu größerem Deadline-Stress führen kann.

Allerdings soll das natürlich keine Entschuldigung für notorisches Zuspätkommen sein. Denn wer häufig zu spät kommt, dem wird das früher oder später auch mehr oder weniger auffällig unter die Nase gerieben. Und spätestens dann könnte man ja einmal anfangen, an sich zu arbeiten, oder?

Nicht immer, denn manchmal gehören Zuspätkommer auch einfach zu einem schwierigen Menschenschlag. Heißt, sie sind von Grund auf sowieso schon überheblich und desinteressiert oder sie wollen mit ihrem späten Erscheinen einfach nur ihre Machtposition untermauern. 

Das sind die häufigsten Gründe für Unpünktlichkeit

Eine Onlineumfrage (deals.com; veröffentlicht von statista.de) unter 530 Befragten zum Thema Unpünktlichkeit hat herausgefunden dass 40 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen am häufigsten den Verkehr (Stau, Zug/ Bus hat Verspätung etc.) als Grund für Ihr Zuspätkommen angeben. Gefolgt von:

  • getrödelt (32 Prozent der Männer, 25 Prozent der Frauen)
  • aufgehalten worden (21 Prozent der Männer, 25 Prozent der Frauen)
  • schlechtes Zeitgefühl (17 Prozent der Männer, 14 Prozent der Frauen)
  • Zeit aus den Augen verloren (13 Prozent der Männer, 15 Prozent der Frauen)
  • Ich bin chaotisch (13 Prozent der Männer, 5 Prozent der Frauen)
  • verschlafen (7 Prozent der Männer, 6 Prozent der Frauen)

So vermeiden Sie ein Zuspätkommen

Wer weiß, dass er mitunter Schwierigkeiten hat, pünktlich zu sein, sollte sich im Alltag kleine Kontrollinstanzen einbauen, die ein Zuspätkommen verhindern können.

Diese können zum Beispiel sein:

#1 Ein Tag ist manchmal bis in die letzte Sekunde durchgetaktet. Trotzdem kann es helfen, für jeden Weg oder jede Aufgabe ein kleines Zeitpolster einplanen. Im schlimmsten Fall sind Sie einfach zu früh da oder haben mehr Zeit für die nächste Aufgabe. 

#2 Allerdings sollte man es tunlichst vermeiden, die gewonnene Zeit spontan mit noch mehr Tasks für den Tag zu verplanen. So ist das Zeitchaos nämlich wieder vorprogrammiert. Packen Sie sich den Tag also nicht zu voll, sondern planen Sie realistisch.

#3 In der Regel sieht bei vielen der Tag in seinen Grundmauern immer gleich aus. Also messen Sie doch einmal genau mit, wieviel Zeit Sie im Schnitt für Arbeitsweg, Kinder wegbringen oder Besorgungen und andere Wege brauchen. Das hilft Ihnen auf Dauer, genauer zu planen und Verspätungen zu vermeiden.

#4 Auch der Uhren-Trick ist beliebt bei vielen Zuspätkommern. Heißt, Uhren, die man ständig im Blick hat, immer um 10 oder 15 Minuten vorstellen. So hat man immer ganz automatisch ein kleines Zeitpolster. Vor allem, wenn man irgendwann vergessen hat, dass man die Uhren vorgestellt hat.