Mann guckt aus dem Fenster
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Häusliche Quarantäne: Was ist das?

Wir haben mit Sebastian gesprochen, der selbst in Quarantäne lebt.

Coronavirus: Alles zur häuslichen Quarantäne

Da das Coronavirus hoch ansteckend ist, kann, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, durch das zuständige Gesundheitsamt eine häusliche Quarantäne angeordnet werden. Doch was bedeutet das überhaupt? Was muss ich in diesem Fall beachten? Und wie kann oder sollte ich mich darauf vorbereiten?

Einkauf, Gassi gehen & Co.: Hier bekommt man Hilfe

Gerade für alte und ältere Menschen ist es zur Zeit sehr schwierig, sich zu organisieren. Denn gerade sie sollen ja so gut es geht soziale Kontakte meiden. Aber auch Menschen, die unter Quarantäne stehen, brauchen eventuell Hilfe beim Einkauf oder beim Gassi gehen mit dem Hund.

Inzwischen haben sich verschiedene Vereine, aber auch viele Privatpersonen zusammen geschlossen, um genau diesen Menschen zu helfen. Dazu gehört auch der Verein Sofa Rostock e.V., der die Facebook-Gruppe "Quarantäne - Hilfe Rostock" gegründet hat. Dort koordinieren viele Freiwillige die Vermittlung und Unterstützung Betroffener und Helfender, die sich in der doch schwierigen Zeit des Coronavirus unter die Arme greifen.

Zur Facebook-Gruppe geht es hier: Quarantäne - Hilfe Rostock

Auf der Seite des Vereins findet sich außerdem ein Vordruck eines Flyers, den Nachbarn ausfüllen und verteilen können, um so mitzuteilen, dass sie gerne helfen möchten.

Die wichtigsten Fragen zur Corona-Quarantäne

Was bedeutet Quarantäne überhaupt?

Bei der Quarantäne handelt es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, die dem Schutz der Gesellschaft vor ansteckenden Krankheiten wie eben auch dem Coronavirus dient. Menschen, die im Verdacht stehen, infiziert zu sein, werden deshalb für einen befristeten Zeitraum isoliert. Das kann bei Verdachtsfällen auch eine häusliche Quarantäne sein. Man muss also nicht unbedingt ins Krankenhaus.

Interview mit einem Quarantäne-Patienten

Immer häufiger hört man im Zusammenhang mit Nachrichten zum Coronavirus von der Quarantäne. Doch wie fühlt man sich, wenn man wirklich isoliert zu Hause sitzen muss? Wir haben mit Sebastian gesprochen, der genau das gerade durchmachen muss.

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Wer muss wann in Quarantäne?

Das Infektionsschutzgesetz legt genau fest, was zu tun ist, um "übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern". Zu diesem Zwecke kann durch die Gesundheitsämter in einigen Fällen eine Quarantäne angeordnet werden.

Anlass für eine Quarantäne gibt es allerdings nur, wenn der Verdacht besteht, an dem Virus erkrankt zu sein. Hatte man also Kontakt zu Personen, die mit dem Coronavirus infiziert sind oder hielt sich in stark betroffenen Gebieten auf, sollte umgehend der Hausarzt oder eben das zuständige Gesundheitsamt informiert werden. Und das unabhängig davon, ob man bereits Symptome verspürt oder nicht.

Nach einer umfassenden Untersuchung wird dann entschieden, ob und wo man in Quarantäne muss.

INTERVIEW MIT DR. MARTINA LITTMANM VOM LAGUS.

Die Leiterin der Abteilung Gesundheit vom LAGuS klärt im Gespräch mit uns alle wichtigen Fragen zum Thema Corona.

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Wie lange dauert die Quarantäne?

Die Dauer der Quarantäne richtet sich in der Regel nach der Inkubationszeit der Krankheit. Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Beginn von Symptomen liegt beim Coronavirus bei 14 Tagen, deshalb wird man mindestens auch genauso lange beobachtet. In der Zeit wird das Gesundheitsamt jeden Tag mit den Betroffenen in Kontakt stehen, um den Gesundheitszustand genau beobachten zu können.

Was muss bei häuslicher Quarantäne beachtet werden?

Wurde man unter Quarantäne gestellt, gilt es folgendes zu beachten: -

  • Zuhause bleiben, das gilt dann auch für Familienmitglieder, die im Haushalt leben
  • Kein Kontakt zu Dritten
  • Körperkontakt vermeiden
  • regelmäßig Hände waschen
  • Wohn- und Schlafräume gut durchlüften
  • Wäsche regelmäßig waschen
  • Hygieneartikel nicht teilen
  • Tische und Türklinken regelmäßig reinigen

Wie wird man bei häuslicher Quarantäne verpflegt?

Im ersten Schritt rät das Robert-Koch-Institut zum Naheliegenden: Verwandte, Bekannte oder Nachbarn bitten, Einkäufe durchzuführen und diese einfach vor der Tür abzustellen. Ist das aus verschiedensten Gründen nicht möglich, sollte das zuständige Gesundheitsamt informiert werden. Das kümmert sich in Extremfällen dann um eine angemessene Unterstützung.

Ansonsten gilt nicht nur im Corona-Fall, einen gewissen Vorrat an nicht verderblichen Lebensmitteln immer zu Hause zu haben. Wir haben hier für euch eine kleine Einkaufsliste zusammengestellt, die sich an dem Ratgeber des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) orientiert und für eine Person für 10 Tage ausgelegt ist.

  • 20 Liter Wasser
  • 3,5 kg Getreideprodukte - Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis
  • 4 kg Gemüse (Dosen)
  • 2,5 kg Obst (Dosen und/ oder lagerfähig), Nüsse
  • 2,6 kg Milch und Milchprodukte
  • 1,5 kg Fisch, Fleisch, Eier/ Volleipulver
  • 0,357 kg Fette, Öle
  • Fertiggerichte nach Belieben
  • Zucker, Süßstoff, Honig, Marmelade, Schokolade, Gewürze, Mehl

Wer es noch genauer aufgeschlüsselt haben will, findet HIER eine Vorratstabelle für den Grundnahrungsmittelvorrat.

Aber nicht nur Lebensmittel und Getränke sollten vorhanden sein, sondern auch Hygieneartikel. Dazu gehören zum Beispiel

  • Seife und Waschmittel
  • Putzmittel
  • Zahnbürsten und -pasta
  • Toilettenpapier
  • Müllbeutel
Antenne MV Hund Quarantaene
Antenne MV Hund Quarantaene

Was passiert mit meinen Haustieren während der Quarantäne?

Eine Übertragung des Coronavirus vom Menschen auf Tiere ist nach aktuellem Stand ausgeschlossen. Heißt: Haustiere können auch bei einem Quarantäne-Fall im Haushalt bleiben. Doch was passiert zum Beispiel mit einem Hund, der ja täglich mehrmals Gassi gehen muss? In diesem Fall muss der Hund bei Bekannten, Verwandten oder in Hundetagesstätten untergebracht werden. Denn Quarantäne bedeutet definitiv "zu Hause" bleiben, man darf also auch nicht mit dem Hund vor die Tür.

Antenne MV Pflege Quarantaene
Antenne MV Pflege Quarantaene

Was passiert mit pflegebedürftigen Menschen?

Menschen, die unter Verdacht stehen, am Coronavirus erkrankt zu sein und gleichzeitig auf Pflege angewiesen sind, sollten für den Zeitraum der Quarantäne sicherheitshalber stationär aufgenommen werden. Betroffene oder Angehörige sollten sich auch hier mit dem Pflegedienst und dem Gesundheitsamt abstimmen.

Kann man sich gegen die Quarantäne wehren?

Wer sich weigert, sich in den eigenen vier Wänden zu isolieren, kann durch das Gesundheitsamt entweder zur Unterbringung in ein Krankenhaus oder in einer Kaserne gezwungen werden. Grundlage dafür liefert das Infektionsschutzgesetz, das das Grundrecht auf Freiheit in diesem Fall einschränkt. Zudem können Zuwiderhandlungen mit Geldstrafen oder sogar bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden.

Bekommt man eine Entschädigung für eventuelle Verdienstausfälle?

Kann man auf Grund einer Quarantäne bzw. dem Corona-Verdacht seinen beruflichen Verpflichtungen nicht nachkommen, entstehen weder dem Arbeitnehmer noch dem Arbeitgeber finanzielle Nachteile. Der Arbeitnehmer erhält eine Entschädigung, die sich nach dem Nettolohn richtet und vom Arbeitgeber gezahlt wird. Der wiederum bekommt diesen von den Behörden erstattet. Ersatzleistungen gibt es auch für Selbständige.

Ist man hingegen wirklich erkrankt, gelten die gleichen Regeln wie bei einem "normalen" Krankheitsfall und man bekommt weiterhin sein Gehalt gezahlt.