Michaela Christen, Sprecherin in Schwerin, sagte ANTENNE MV: «Im gesamten vergangenen Jahr waren es 120 Kirchenaustritte. Würde man die Zahlen auf das erste Quartal herunter rechnen, wären es 30 Austritte pro Quartal. Jetzt sind es etwa 46. Das ist natürlich ein signifikanter Anstieg.» Von einer Austrittswelle will Christen aber nicht sprechen. Während in Stralsund voriges Jahr im Februar fünf, im März zwei Menschen aus der Kirche austraten, waren es in diesem Jahr im Februar nur drei, dafür im März sechs. In Greifswald ist die Zahl der Austritte dieses Jahr sogar gesunken, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann ANTENNE MV: «In diesem Jahr sieht es bislang so aus, dass 17 aus der evangelischen Kirche und neun aus der katholischen Kirche ausgetreten sind. Das sind letztendlich weniger als sogar im Jahr davor.»
Dass sich in Mecklenburg-Vorpommern der Frust auf die Missbrauchsskandalmeldungen nicht so stark auszuwirken scheinen, liegt an der niedrigen Gesamtzahl der Kirchen-Mitglieder, sagte Dr. Johannes Zimmermann vom Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG) an der Universität Greifswald. «In Mecklenburg-Vorpommern sind weniger als zwanzig Prozent Mitglieder einer Kirche.» Doch gibt es neben dem Missbrauchsskandal auch andere Austrittsgründe. «Ein zweiter Anlass ist die Frage der Kirchensteuer. Ein dritter möglicher Anlass sind persönliche negative Erfahrungen mit der Kirche.» Dr. Zimmermann von der Universität Greifswald kennt auch die Ursachen der Gründe. «Die Ursachen sind in der Regel lange Entfremdungen. Die Kirche wird als zu weit weg empfunden. Man hat persönlich keinen Zugang dazu. Und wenn so eine Ursache da ist, so eine Entfremdung zur Kirche, dann braucht es eben noch einen Anlass, um den Austritt tatsächlich zu vollziehen», so der Kirchen-Forscher im ANTENNE MV Interview.
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