Minister zu Streusalz-Diskussion: «Ein Stückweit ist das Irrsinn»
11.02.2010 - 33 000 Tonnen Streusalz sind in diesem Winter in Mecklenburg-Vorpommern bereits verbraucht worden. Es muss nachbestellt werden. Teils sollen die Preise der neuen Lieferungen nach Berichten auf bis zu 400 Prozent gestiegen sein. Landes-Umweltminister Till Backhaus mahnte im Interview mit dem Privatsender ANTENNE MV zu sorgfältigem Einsatz. «Es wird hier sehr genau dosiert und der Streusalz-Einsatz ist optimiert worden. Wir wollen und müssen auch die öffentliche Sicherheit garantieren.» Der BUND hat bereits die Sorge geäußert, dass Allee-Bäume massiv Schäden nehmen könnten.

Katharina Brückmann von der Umweltschutz-Organisation sagte ANTENNE MV: «Das Streusalz schädigt nachgewiesener Maßen die Umwelt und insbesondere die Bäume. Wir haben eine Verantwortung im Land mit den meisten Alleen, diese Alleen zu schützen. Streusalz macht es den Bäumen schwer Wasser aufzunehmen, die Blätter sind kleiner als gewöhnlich, dadurch können sie weniger Photosynthese machen und weniger Kohlenhydrate bilden, die sie ja brauchen. Am schlimmsten sind die Alt-Alleen betroffen, wo Bäume mit dem Stamm direkt an der Straße stehen. Da müsste man wirklich sich mal hinsetzen, Alternativen suchen und das auch wollen. Diesen Willen sehen wir nicht.» Minister Backhaus dementiert Untätigkeit auf Nachfrage. «Wir haben mit dem BUND gesagt, lasst uns doch mal schauen, in welchen Abschnitten wir zu Verminderungen kommen, wo wir auch Alternativen suchen, nämlich Splitt oder Sand. Ich habe auch die Landkreise dringend gebeten, nur dort den Winterdienst durchzuführen, wo es unbedingt notwendig ist.» Zur Sorge des BUND sagte der Umweltminister ANTENNE MV: «Nun warten wir erst einmal ab, wie das Frühjahr wird. Dann wird es wie jedes Jahr Untersuchungen geben. Ich wünsche mir und auch den Bäumen, dass sie von dem Streusalz nicht so schwer beeinflusst werden.» Noch verhindere Schnee und Frost, dass das Salz in die Wurzeln eindringe.

Umweltminister Backhaus wundert sich nicht, dass gerade jetzt die Streusalz-Diskussion ans Licht kommt. «Es ist immer so. Nachdem eine schwierige Situation gemeistert ist, kommen manche aus den Löchern und sagen, wie es denn eigentlich besser gehen würde. In der Phase, wo wir eingeschneit waren, habe ich von diesen Leuten nichts gehört.» Backhaus erinnert auch an jüngste Kritiken, wie vermeintlich schlecht der Winterdienst gearbeitet habe. «Und jetzt ist alles wieder viel zu viel. Ein Stückweit ist das auch Irrsinn», sagte Till Backhaus ANTENNE MV. Vorige Woche sind im Land weitere 1 000 Tonnen Streusalz verteilt worden.



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