Ende des Negativtrends nicht in Sicht
Allerdings würden die notwendigen Freisetzungsprogramme oft daran scheitern, dass es nicht mehr genug Glasaale gebe, so Zimmermann. Seiner Ansicht nach kommen die Management-Pläne zu spät. "Es ist zu befürchten, dass die Population zusammenbricht", sagt der Forscher. Mit den gleichen Methoden und an den gleichen Stellen würde heute nur noch ein Prozent der Menge von vor 50 Jahren gefangen. Der Internationale Rat für Meeresforschung hat zum Schutz des Europäischen Aals daher jetzt ein absolutes Fangverbot empfohlen. Selbst, wenn die strikten Schutzmaßnahmen sofort umgesetzt würden, würde es nach Ansicht des Forschers bis zu 80 Jahre dauern, ehe sich die Aalbestände erholt hätten.
Lange Lebenszyklen machen Tiere anfällig für Störungen
Der Aal leidet stärker als andere Fischarten unter Umweltveränderungen z. B. durch Bauwerke in den Flüssen oder die Freisetzung von chemischen Substanzen. Schon eine kleine Änderung im Hormonzyklus kann dazu führen, dass die Fortpflanzungsorgane nicht mehr funktionieren. Eine Nachzucht in Fischfarmen ist nicht möglich, da der komplette Lebenszyklus der Aale vom Menschen derzeit noch nicht nachgebildet werden kann.
Einmal Europa und zurück
Vor der Küste Floridas, in der Sagassosee, beginnt das Leben der Aale. Die Larven lassen sich mit dem warmen Golfstrom zu den europäischen Küsten treiben. Etwa drei Jahre dauert es, bis die rund sieben Zentimeter großen Glasaale ihre Wanderung in die Binnengewässer antreten. Männliche Tiere sind im Alter von sechs bis neun Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst mit 12 oder 15 Jahren. Setzt der Paarungsdrang ein, verändert sich auch das Aussehen der Fische: auf ihrer Wanderung zum Meer werden Gelbaale zum Blankaal. Im Meer angekommen, beginnen die jetzt silbrigen Fische ihre mehrmonatige Fasten-Reise in die Sargassosee. Dort laichen sie ab und sterben.
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