Wissenschaftler fordern komplettes Aal-Fangverbot
28.12.2009 - Der Aal ist seit langem bedroht. Als eine von nur wenigen Fischarten unterliegt er deshalb seit März 2009 dem Washingtoner Artenschutzabkommen. Vor zwei Jahren hatte die EU ihre Mitgliedsstaaten bereits aufgefordert, Pläne zu entwickeln, um die Bestände wieder aufzubauen. Ihr Ziel haben diese Initiativen allerdings nicht erreicht, der Aal ist weiter akut bedroht, die Zahl der Jungfische ist dramatisch zurückgegangen. In Deutschland gebe es nur deshalb überhaupt noch Aale in den Flüssen, weil die Fischerei mit sehr viel Aufwand und mit sehr viel finanziellem Einsatz Glasaale, die gekauft wurden, in unseren Flüssen wieder aussetze, sagt Christoph Zimmermann vom Institut für Ostseefischerei im Gespräch mit ANTENNE MV.

Ende des Negativtrends nicht in Sicht

Allerdings würden die notwendigen Freisetzungsprogramme oft daran scheitern, dass es nicht mehr genug Glasaale gebe, so Zimmermann. Seiner Ansicht nach kommen die Management-Pläne zu spät. "Es ist zu befürchten, dass die Population zusammenbricht", sagt der Forscher. Mit den gleichen Methoden und an den gleichen Stellen würde heute nur noch ein Prozent der Menge von vor 50 Jahren gefangen. Der Internationale Rat für Meeresforschung hat zum Schutz des Europäischen Aals daher jetzt ein absolutes Fangverbot empfohlen. Selbst, wenn die strikten Schutzmaßnahmen sofort umgesetzt würden, würde es nach Ansicht des Forschers bis zu 80 Jahre dauern, ehe sich die Aalbestände erholt hätten.

Lange Lebenszyklen machen Tiere anfällig für Störungen

Der Aal leidet stärker als andere Fischarten unter Umweltveränderungen z. B. durch Bauwerke in den Flüssen oder die Freisetzung von chemischen Substanzen. Schon eine kleine Änderung im Hormonzyklus kann dazu führen, dass die Fortpflanzungsorgane nicht mehr funktionieren. Eine Nachzucht in Fischfarmen ist nicht möglich, da der komplette Lebenszyklus der Aale vom Menschen derzeit noch nicht nachgebildet werden kann.

Einmal Europa und zurück

Vor der Küste Floridas, in der Sagassosee, beginnt das Leben der Aale. Die Larven lassen sich mit dem warmen Golfstrom zu den europäischen Küsten treiben. Etwa drei Jahre dauert es, bis die rund sieben Zentimeter großen Glasaale ihre Wanderung in die Binnengewässer antreten. Männliche Tiere sind im Alter von sechs bis neun Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst mit 12 oder 15 Jahren. Setzt der Paarungsdrang ein, verändert sich auch das Aussehen der Fische: auf ihrer Wanderung zum Meer werden Gelbaale zum Blankaal. Im Meer angekommen, beginnen die jetzt silbrigen Fische ihre mehrmonatige Fasten-Reise in die Sargassosee. Dort laichen sie ab und sterben.



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