Was letztendlich den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben hat, ist auch aus der offiziellen Stellungnahme des Unternehmens nicht herauszulesen. Geld könnte eine Rolle gespielt haben. Die EU hatte beschlossen, sechs Projekte zur CO-2 Abscheidung und Speicherung mit insgesamt einer Milliarde Euro zu fördern. Der Standort Lubmin war nicht dabei. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass damit eine Genehmigung ohnehin fraglich geworden wäre oder die Kosten für Dong Energy deutlich gestiegen wären.
Das Projekt war seit Beginn des Genehmigungsverfahrens vor zwei Jahren heftig umstritten. Arbeitsplätze für Vorpommern, eine Stärkung für den Energiestandort Lubmin, das waren die Hauptargumente der Befürworter. Vor dem Hintergrund der immer lauter werdenden Debatte über die drohende Klimakatastrophe warnten die Gegner immer wieder, Kohlekraftwerke seien klimapolitische Dinosaurier. Jubel also bei den Bürgerinitiativen. Michael Woitacha sagte im Gespräch mit ANTENNE MV, ihm sei ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, "ich denke, es ist eine vernünftige Entscheidung. Dass dieses Projekt nicht zukunftsfähig war, haben wir von Anfang an gesagt, letztendlich hat sich das durchgesetzt".
Die Wirtschaft zeigte sich dagegen enttäuscht. Lothar Wilken von der Vereinigung der Unternehmerverbände erklärte, das Aus für das Kraftwerk könne enorme negative Folgen haben. "Der Energiestandort wäre sehr wichtig gewesen. Wir hätten dort einen Industriestandort entwickeln können, weil wir mit der Abwärme auch hätten andere Industrienutzer anschließen können. Für das Land ist das ein ganz schlechtes Signal."
Wirtschaftsminister Seidel reagierte ähnlich. Vorpommern hätte seiner Meinung nach enorm profitiert. Jetzt dürfe man aber den Kopf nicht in den Sand stecken. "Wir haben nach wie vor gute Chancen, gerade Energieinvestitionen an diesem Standort zu realisieren. Wir müssen den Blick nach vorn richten, um Arbeitsplätze für Vorpommern zu entwickeln."
Dass die Landesregierung dem Energiekonzern nicht genug Unterstützung signalisiert habe, bezeichnete Ministerpräsident Sellering indirekt als Ausrede. Man habe Dong immer ein rechtsstaataliches Verfahren zugesagt, darauf habe Dong sich verlassen können.
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