Der Biologe Mettenleiter weist darauf hin, dass der Rinderwahn noch nicht besiegt sei. «Von Besiegen einer Krankheit sollte man möglichst nicht sprechen. Dafür kann zu viel Unvorhergesehenes passieren. Es ist aber die Situation in Deutschland schon so, dass wir einen kontinuierlichen Abfall der Fallzahlen seit dem Jahr 2001 haben. Es waren im letzten Jahr zwei, es waren in diesem Jahr zwei. Es waren – bis auf zwei Tiere, die im März und im Mai 2001 geboren worden sind – alles Tiere, die noch zu Zeiten geboren und aufgezogen wurden als zum Beispiel das Verfütterungsverbot noch nicht galt oder noch nicht durchgängig galt, so dass man schon sagen kann, wir haben im Moment eine sehr, sehr gute epidemiologische Situation. Es sieht im Moment auch nicht danach aus, dass sie sich verschlechtert.» Die neun Jahre nach dem ersten Fall bei Rendsburg in Schleswig-Holstein sind nicht so dramatisch geworden, wie manche es befürchtet hatten, sagt Prof. Mettenleiter ANTENNE MV. «Wir müssen letztendlich konstatieren, dass es glücklicherweise bei weitem nicht so schlimm gekommen ist, wie es hätte kommen können, weil die Barriere vom Übergang des Erregers vom Rind auf den Menschen eben doch sehr viel höher ist als wir es damals befürchten mussten, was wir aber nicht wussten. Das können wir heute besser einschätzen. Also insofern ist jetzt im Moment eher so die Situation eingetreten, dass wir doch etwas warnend darauf hinweisen, jetzt nicht alle Maßnahmen, die zum Schutz vor BSE eingeführt worden sind, wieder auf den Vor-BSE-Stand zurück zu fahren, sondern sich doch deutlich zu machen, dass BSE uns natürlich auch gezeigt hat, wo Schwachstellen auftreten können oder aufgetreten sind.» Nächstes Jahr werde sich die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde noch mal intensiv mit der Frage BSE und der Gefährdung für den Menschen beschäftigen. Die Experten von der Insel Riems seien dabei, so ihr Präsident. «Wir passen da schon auf.»
In der BSE-Forschung werde auch nicht nachgelassen, versichert Professor Mettenleiter. « Wir haben zum Beispiel erst seit relativ kurzer Zeit Kenntnis darüber, dass es nicht nur die klassische BSE gibt, sondern auch eine so genannte atypische Variante, die besonders bei älteren Rindern auftritt und die mit der klassischen Creutzfeld-Jakob-Krankheit beim Menschen vergleichbar ist. Auch hier gibt es eine natürliche BSE. Ein solcher Fall von natürlicher BSE hat möglicherweise auch in Großbritannien letztendlich zum Auslösen der Epidemie geführt. Wir schauen uns im Moment schon die atypische BSE sehr genau an, inwieweit hier ein Gefährdungspotential da ist. Dieses Thema ist in keiner Weise ad acta gelegt», so Mettenleiter.
Agrarminister Till Backhaus erinnert auf ANTENNE MV an den 26. November 2000 als der Fall bekannt wurde. «Den Tag werde ich in meinem Leben nicht vergessen, weil damit der erste Fall von BSE auftrat und weil Bundesminister Karl Heinz Funke und Frau Fischer ihren Posten räumen mussten.» Backhaus erinnert sich auch die Verunsicherung der Menschen seit dem Tag. «Kann man überhaupt noch Rindfleisch essen? Oder werden wir alle übermorgen an BSE erkranken? Das ganze Problem hat Milliarden gekostet. Aus meiner Sicht dadurch, dass Großbritannien seiner Verantwortung der Allgemeinheit in Europa und der Welt nicht gerecht geworden ist nämlich an diesem Phänomen zu forschen. » Der Agrarminister lobt die Arbeit der Forscher auf der Insel Riems, denn heute sei klar, «was da passiert ist. dadurch dass man Wiederkäuer mit tierischem Eiweiß versorgt hat. Das ist für mich eine Sünde», so Till Backhaus. Er sieht die Lage beruhigt. «Wir haben praktisch keine Ausbrüche mehr. In Wiederkäuermägen gehört kein tierisches Eiweiß. Wer das zugelassen hat, der müsste heute noch an den Pranger gestellt werden, weil er damit einer ganzen Branche, der Landwirtschaft einen ganz großen Schaden zugefügt hat», ärgert sich Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister auch neun Jahre nach dem ersten bestätigten BSE-Fall in Deutschland.
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