Gadebusch-Bürgermeister: "Staat muss Flagge zeigen"
28.10.2009 - Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest hat Verständnis für die Eltern, die dagegen demonstrierten, dass ein vermutlicher Sex-Täter noch auf freiem Fuß ist. Howest sagte dem Privatsender ANTENNE MV: «Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie eine derartige Entscheidung zustande kommt. ich kenne nicht alle Details, aber es gibt Sachen, die sind nicht zu entschuldigen. Da muss der Staat Flagge zeigen. Seine Kernkompetenz ist es, Bürgerinnen und Bürger zu schützen, innere und äußere Sicherheit. Wenn diese Kernkompetenz des Staates nicht mehr wahrgenommen werden, fragen sich die Bürger zu Recht, ob sie sich noch sicher fühlen können.» Der Bürgermeister appellierte an die Sensibilität der Richter, «dass sie sich in die Lage der Betroffenen hinein versetzen und nicht nur in die Lage des Täter. Das war auch der Eindruck, dass die Tat zu sehr aus der Sicht des Täters und nicht des Opfers gesehen wird». Oberstaatsanwalt Ralph-Siegfried Ketelboeter hatte zuvor bei ANTENNE MV bestätigt, dass der mutmaßliche Sex-Täter nicht in Untersuchungshaft muss, ihm wurden lediglich Auflagen erteilt. 200 Menschen hatten am Abend demonstriert. Die Polizei rückte mit 40 Beamten an. Die Situation drohte zu eskalieren. Einige aufgebrachte Eltern versuchten, in das Mehrfamilienhaus des 22-jährigen Verdächtigen zu gelangen, der aber nicht zu Hause, sondern bei Verwandten war. Immer wieder fielen Sätze wie «Hau ab!», «Was willst Du noch hier!» und «Lass unsere Kinder in Ruhe!». Die Demonstranten und Eltern «wollten dem Gefühl Ausdruck verleihen, dass solche Entscheidungen aus ihrer Sicht inakzeptabel sind. Sie haben natürlich auch Angst um ihre Kindern. Wenn solche Leute in der direkte Nachbarschaft und in der Umgebung wohnen, dann macht man sich sehr berechtigte Sorgen, dass nicht irgendwann das eigene Kind in Mitleidenschaft gezogen wird. Und die Leute fragten auch, wie die Richterin wohl entschieden hätte, wenn ihr eigenes Kind Opfer einer solchen Straftat gewesen wäre», so Gadebuschs Bürgermeister Howest. Er wiederholte seine Aussagen auf die Nachfrage von ANTENNE MV, ob er nicht auch die Richtigkeit einer juristischen Beurteilung in Betracht zieht.



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