Überforderung, Vernachlässigung, Streit: Die Jugendämter in Mecklenburg-Vorpommern haben im vergangenen Jahr zehn Prozent mehr Kinder und Jugendliche aus ihren Familien holen müssen als 2009. Nach Angaben des Statistischen Amtes nahmen die Behörden 1002 Mädchen und Jungen bis 18 Jahre in ihre Obhut, 91 mehr als im Jahr davor. 206 Jugendliche baten selbst, ihre Familie verlassen zu dürfen.
«Rein rechnerisch wurden täglich drei Minderjährige von den Behörden aufgenommen und vorübergehend an einem sicheren Ort untergebracht», berichtete das Amt am Dienstag in Schwerin. In jedem zweiten Fall sei das betroffene Kind in «dringender Gefahr» gewesen.
57 Prozent der Mädchen und Jungen waren jünger als 14 Jahre. Besonders bei Drei- bis Neunjährigen musste das Jugendamt häufiger eingreifen: Die Zahl der Fälle in diesem Alter stieg um 36 auf 190.
Meist seien die Eltern mit der Betreuung und Erziehung der Kinder überfordert, vor allem bei kleinen Kindern und 14- bis 16-jährigen Teenagern. An zweiter Stelle rangierten Beziehungsprobleme mit den Eltern oder dem sozialen Umfeld, aber auch Streit der Eltern untereinander. Vernachlässigung ist nach den Angaben ein weiterer Hauptgrund für vorübergehende Schutzmaßnahmen.
Besonders anfällig für schwerwiegende Probleme seien offenbar Alleinerziehende und «Patchwork-Familien» mit einem neuen Partner. Von den Kindern und Jugendlichen, die das Jugendamt 2010 aus ihrer Familie holte, lebten 60 Prozent in einem solchen Umfeld.
Die gute Nachricht: Nahezu die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen(48 Prozent) kehrten nach einer Weile in ihre Familien zurück.
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